Wichtiger Hinweis vorab
Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick nach dem Stand Oktober 2026 und ist keine Rechtsberatung. Die EU-KI-Verordnung ist neu, Leitlinien der EU-Kommission und Verhaltenskodizes zur Kennzeichnung werden noch ausgearbeitet und konkretisiert, und Gerichte haben viele Detailfragen noch nicht entschieden. Wenn du unsicher bist, ob ein bestimmtes Bild gekennzeichnet werden muss, frag deine IHK oder eine Fachanwältin für IT-Recht. Im Zweifel ist eine Kennzeichnung fast immer die sicherere Wahl, weil sie selten schadet und Vertrauen schafft.
Was der AI Act regelt
Die EU-KI-Verordnung, oft AI Act genannt, enthält in Artikel 50 Transparenzpflichten, die seit dem 2. August 2026 gelten. Für Social Media sind vor allem zwei Gruppen von Pflichten wichtig:
- Pflichten der Anbieter: Wer ein KI-System anbietet, das Bilder, Videos, Audio oder Text erzeugt, muss dafür sorgen, dass die Ergebnisse maschinenlesbar als künstlich erzeugt erkennbar sind, zum Beispiel durch Metadaten oder Wasserzeichen. Das betrifft die Hersteller der Werkzeuge, nicht dich als Nutzer. Für Systeme, die schon vor August 2026 auf dem Markt waren, gibt es teilweise Übergangsfristen.
- Pflichten der Betreiber: Wer ein KI-System beruflich einsetzt, um sogenannte Deepfakes zu erzeugen, muss offenlegen, dass der Inhalt künstlich erzeugt oder verändert wurde. „Betreiber“ ist hier jeder, der KI im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit nutzt, also auch ein Friseursalon oder eine Tischlerei, die KI-Bilder für Instagram erstellt.
Rein private Nutzung ist von den Betreiberpflichten ausgenommen. Sobald du KI-Bilder für deinen Betrieb verwendest, handelst du aber beruflich.
Verstöße gegen diese Transparenzpflichten können mit Bußgeldern geahndet werden, die je nach Fall erheblich ausfallen können. Wie die Aufsicht in Deutschland in der Praxis mit kleinen Betrieben umgeht, ist noch offen.
Wann ist ein KI-Bild ein Deepfake?
Der Begriff klingt nach manipulierten Politikervideos, ist im AI Act aber weiter gefasst. Gemeint sind KI-erzeugte oder KI-veränderte Bilder, Videos oder Audioinhalte, die echten Personen, Gegenständen, Orten, Einrichtungen oder Ereignissen ähneln und einem Menschen fälschlicherweise als echt oder wahrheitsgemäß erscheinen würden.
Die entscheidende Frage lautet also: Könnte jemand das Bild für ein echtes Foto halten, das etwas Reales zeigt? Eine Einordnung anhand von Beispielen, ohne Gewähr für den Einzelfall:
| Beispiel | Einschätzung |
|---|---|
| Fotorealistisches Bild einer Person, die wie eine Mitarbeiterin in deinem Salon wirkt | Kennzeichnung dringend empfohlen |
| Fotorealistisches Bild „deines“ Ladens, der so nicht existiert | Kennzeichnung empfohlen, zudem Irreführungsgefahr |
| Realistisches Foto eines Gerichts, das es bei dir gar nicht gibt | Kennzeichnung empfohlen, besser echtes Foto nutzen |
| Eindeutige Illustration, Comic, Aquarell-Stil | Meist kein Deepfake, weil nicht als echt wahrgenommen |
| Grafik mit Text, Formen und Farben, etwa ein Tipp-Post | Meist kein Deepfake |
| Eigenes Foto mit leichter Farbkorrektur | Kein Deepfake, keine Pflicht nach AI Act |
| Eigenes Foto, in dem KI Personen hinzufügt oder den Hintergrund realistisch austauscht | Kennzeichnung empfohlen |
Für erkennbar künstlerische, satirische oder fiktionale Inhalte sieht der AI Act erleichterte Regeln vor: Die Offenlegung soll dort so erfolgen, dass sie die Darstellung nicht unangemessen stört. Ganz entfällt sie dadurch nicht automatisch.
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Was Instagram selbst verlangt
Unabhängig vom Gesetz hat Meta eigene Regeln. Instagram erwartet, dass Nutzer bestimmte realistisch wirkende, digital erzeugte oder veränderte Inhalte offenlegen, vor allem fotorealistische Videos und realistisch klingende Tonaufnahmen. Dafür gibt es beim Posten eine Option, den Beitrag als KI-Inhalt zu kennzeichnen. Instagram zeigt dann einen Hinweis wie „KI-Info“ am Beitrag an.
Zusätzlich erkennt Instagram manche KI-Inhalte automatisch, etwa anhand technischer Kennzeichen in den Bilddaten, die viele Werkzeuge mitschreiben. Dann kann ein Hinweis auch ohne dein Zutun erscheinen. Die genauen Regeln, Bezeichnungen und Menüpunkte ändert Meta gelegentlich. Schau deshalb im Zweifel in die aktuellen Hilfeseiten von Instagram.
Laut Instagram soll die Kennzeichnung die Reichweite nicht beeinflussen. Es gibt also keinen guten Grund, sie aus Angst vor weniger Aufrufen wegzulassen.
So kennzeichnest du richtig: Schritt für Schritt
- Bild einordnen: Frag dich, ob jemand das Bild für ein echtes Foto halten könnte, das eine reale Person, einen realen Ort oder ein reales Ereignis zeigt.
- Kennzeichnung im Bild: Bei realistisch wirkenden KI-Bildern ein kleiner, gut lesbarer Hinweis direkt im Bild, etwa „KI-generiert“ oder „Mit KI erstellt“. Er bleibt erhalten, wenn das Bild geteilt oder heruntergeladen wird.
- Kennzeichnung in der Caption: Ein kurzer Satz wie „Bild mit KI erstellt“ am Anfang oder Ende der Caption. Am Ende wird er allerdings leicht übersehen, weil Instagram lange Captions kürzt.
- Instagram-Option nutzen: Beim Posten die KI-Kennzeichnung aktivieren, wenn sie für dein Bild passt.
- Metadaten nicht entfernen: Viele Werkzeuge schreiben einen unsichtbaren KI-Vermerk in die Bilddatei. Lösch ihn nicht durch Bearbeitung oder Screenshots, wenn es sich vermeiden lässt.
- Dokumentieren: Notiere dir, welche Beiträge KI-Bilder enthalten. Das hilft bei späteren Nachfragen.
Die Kennzeichnung sollte spätestens beim ersten Kontakt mit dem Inhalt erkennbar sein, also nicht versteckt in einem Kommentar oder erst auf dem dritten Bild einer Bilderreihe.
Kurze Checkliste vor dem Posten
- Könnte das Bild für ein echtes Foto gehalten werden?
- Zeigt es eine Person, einen Ort oder ein Produkt, das es so bei dir gibt oder nicht gibt?
- Ist der Hinweis im Bild lesbar, auch auf einem kleinen Handydisplay?
- Steht der Hinweis in der Caption weit genug vorne?
- Ist die KI-Option beim Posten aktiviert, wenn sie passt?
Wenn du bei einer der ersten beiden Fragen zögerst, kennzeichne lieber. Ein Satz zu viel kostet nichts, ein Vertrauensverlust bei Kunden dagegen schon.
Mehr als Kennzeichnung: Irreführung vermeiden
Selbst ein korrekt gekennzeichnetes KI-Bild kann Probleme machen, wenn es Kunden in die Irre führt. Das Wettbewerbsrecht verbietet irreführende Werbung unabhängig vom AI Act. Typische Fallen:
- Produkte, die anders aussehen: Ein KI-Bild einer Torte, die du so nicht backen kannst, weckt falsche Erwartungen.
- Ergebnisse, die nie erzielt wurden: Ein generiertes „Nachher“-Bild hat in einem Vorher-Nachher-Post nichts zu suchen.
- Räume, die nicht existieren: Ein realistisches Bild eines Ladens, einer Ferienwohnung oder eines Studios muss deinem echten Ort entsprechen.
- Erfundene Personen als Team oder Kunden: Eine generierte „Kundin“ mit Zitat ist eine erfundene Kundenstimme.
Eine einfache Regel hilft: Für alles, was Kunden als Tatsache über dein Angebot verstehen, nutzt du echte Fotos. KI-Bilder eignen sich für Stimmung, Illustration, Gestaltung und Ideen. Mehr zur Nutzung von KI im Alltag findest du im Ratgeber KI für Social Media, zu Fotos von echten Personen im Ratgeber Bildrechte und DSGVO.
Wie Pocket Creator mit der Kennzeichnung umgeht
Pocket Creator erstellt Bilder mit KI und kennzeichnet sie automatisch: Jedes Bild enthält einen unsichtbaren Vermerk „Mit KI erstellt“. Bilder im Foto-Look tragen zusätzlich ein kleines sichtbares KI-Zeichen, das du in den Einstellungen abschalten kannst. Wenn du es abschaltest, solltest du selbst prüfen, ob für das jeweilige Bild eine Kennzeichnung nötig ist, und sie dann zum Beispiel in der Caption ergänzen. Außerdem erscheint ohne ein von dir hinterlegtes Foto nie eine erfundene Person, die dich darstellen soll, und Text im Bild wird geprüft, damit keine erfundenen Zahlen auftauchen. Wie du Looks und Bildstil festlegst, erklärt das Hilfe-Center unter Dein Stil.
Häufige Fragen
Muss ich jedes KI-Bild auf Instagram kennzeichnen?
Nach dem AI Act betrifft die Offenlegungspflicht vor allem realistisch wirkende Inhalte, die echte Personen, Orte oder Ereignisse vortäuschen könnten. Eindeutige Illustrationen und Grafiken sind meist nicht erfasst. Im Zweifel ist eine Kennzeichnung die sicherere Wahl.
Seit wann gilt die Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte?
Die Transparenzpflichten aus Artikel 50 der EU-KI-Verordnung gelten seit dem 2. August 2026. Für Anbieter von KI-Systemen gibt es teilweise Übergangsfristen bei der maschinenlesbaren Kennzeichnung.
Wie kennzeichne ich ein KI-Bild am besten?
Mit einem kleinen, lesbaren Hinweis im Bild, einem Satz in der Caption und der KI-Option von Instagram beim Posten. Wichtig ist, dass der Hinweis beim ersten Ansehen erkennbar ist.
Gilt die Pflicht auch für kleine Betriebe?
Ja, die Pflichten gelten für jeden, der KI beruflich nutzt, unabhängig von der Betriebsgröße. Ausgenommen ist nur die rein private Nutzung.
Sinkt meine Reichweite, wenn ich KI-Bilder kennzeichne?
Laut Instagram beeinflusst die KI-Kennzeichnung die Verbreitung von Inhalten nicht. Eine ehrliche Kennzeichnung stärkt eher das Vertrauen deiner Kundschaft.
Muss ich ein Foto kennzeichnen, das ich nur leicht bearbeitet habe?
Einfache Korrekturen wie Helligkeit, Zuschnitt oder Farbe lösen keine Pflicht nach dem AI Act aus. Anders kann es aussehen, wenn KI realistisch Personen oder Gegenstände hinzufügt oder entfernt.
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